Jahresarchiv 2014

Ab ins Open Air Kino

Das Seekino Wird gern mal spät dort, ist aber fein!

In München gibt es im Sommer vier Open Air Kinos, die über einen längeren Zeitraum und in größerem Maßstab Filme zeigen. Eines davon liegt mehr oder minder bei mir um die Ecke, "Kino, Mond und Sterne" im Westpark. Unzählige male bin ich daran vorbeigelaufen, einen Film angesehen habe ich mir dort nie. Der einzige je gestartete Versuch scheiterte daran, dass wir viel zu spät hingegangen sind und keine Karten mehr bekamen.

Das sollte sich diese Woche endlich mal ändern. Ein wunderbarer Sommerabend, „Boyhood“ stand auf dem Programm. Ein Film, von dem ich im Vorfeld relativ viel gelesen hatte und dessen Konzept ich sehr spannend finde. Auf die Idee, einen Film über zwölf Jahre zu drehen, um das Altern und die Entwicklung der Personen zu zeigen, muss man auch erstmal kommen. Halte ich für höchst ambitioniert und das Ergebnis für extrem spannend, auch wenn der Film dem Konzept geschuldet natürlich keine abgeschlossene Geschichte erzählt. Aber das muss er ja auch nicht. Für diejenigen, für die in einem Film nicht unbedingt alle fünf Minuten etwas in die Luft fliegen muss, ist er definitiv eine Empfehlung, auch wenn er meiner Meinung nach gen Ende einige Längen aufweist.

Ode an die Neunziger

Wenn man beim ZDF mal gerade nicht damit beschäftigt ist, irgendwelche Ranglisten zu fälschen, bringt man hin und wieder auch Großes hervor. Das neo magazin, beispielsweise. Experimente wie diese zeigt man dann zwar sicherheitshalber nur in einem der hauseigenen Spartenkanäle und möglichst spät am Abend - aber immerhin lässt man die Menschen rund um Jan Böhmermann einfach mal machen.

Und die bringen dann Einspieler wie den unten eingebundenen hervor. Gnadenlos, entwaffnend, herrlich. Ja, auch ich durfte meine Jugend in den Neunzigern verbringen und wurde gerade auf höchst amüsante Weise an die Zeit damals erinnert. Himmel, wir waren schon ganz schön peinlich, das muss man einfach mal sagen. Mein einziger Trost: retrospektiv betrachtet war das in den Siebzigern und Achtzigern auch nicht anders. Aber seht selbst und habt Spaß, sofern ihr das passende Alter habt:

Das nenne ich mal einen Kleinwagen

Ein Gogomobil Himmel, waren die Kisten winzig! Aber wenigstens hatten sie Charme

Wollte nur kurz bekanntgeben, dass mein Tag heute mit einem breiten Lächeln begann, als ich die Wohnung in Richtung Arbeitsstätte verließ. Da ich direkt gegenüber einen Wagen erblickte, der mein Herz höher schlagen ließ und den man regelrecht knuddeln möchte. Ein Gogomobil. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich jemals zuvor eines im regulären Straßenverkehr und fernab von Oldtimer-Ausstellungen gesehen habe. So schön kann ein Kleinwagen aussehen - nehmt euch daran mal ein Beispiel, Designer des neuen Smart!

Bin ein Bisschen neidisch auf den Besitzer...

Weltmeister – im Rumnörgeln

Feiern? Freuen? Aber bitte nur politisch korrekt! Ach, was hätte das alles schön sein können. Weltmeister! Deutschland im Autokorso-Freudenrausch. Himmelhochjauchzend, Sommermärchen, schwarz-rot-goldene Euphorie. Jubelnde Menschen allenthalben, freundliche Gesichter, spontane Verbrüderungen in den U-Bahnen, kollektive Übernächtigung. Friede, Freude, Eierkuchen. Schland!

Und dann das: Erdreisten sich ein paar dieser frisch erkorenen Volksvorbilder doch in aller Öffentlichkeit den unterlegenen Gegner zu verhöhnen! Durch diesen widerlichen, ekligen Goucho-Tanz!

Sofort wird bei der sich intellektuell weit vorne sehenden Weltverbessererelite der Getretene-Hunde-Reflex ausgelöst. Wie so oft. Da haben wir die Welt gerade  mühsam davon überzeugt, dass doch nicht alle Einwohner dieses Landes böse Nazis sind und dann das! Ob SPIEGEL oder TAZ (die, soviel Ausgewogenheit muss sein, das Ganze dann wenigstens doch noch irgendwo entspannter sieht), die Journallie und die fleißig kommentierende Leserschaft sind empört! Der schöne WM-Titel - entwertet! Nationale Schande! Dieser Sieg ist nichts mehr wert, unerträglich arrogant sind wir. Mal wieder, war ja klar. Da nimmt es schon fast Wunder, dass nicht auch die EMMA in das kollektive Geheule mit einstimmt, schließlich waren es doch mal wieder ein paar Männer, die uns in der Weltöffentlichkeit blamiert haben.

Neuer Referenzwert

Nicht das, was Audi verspricht... ...aber die Verbrauchsangaben der Hersteller scheinen ja sowieso reine Phantasiewerte zu sein. Ich find' den Verbrauch hier dennoch recht anständig.Ein Kriterium bei der Entscheidung für den Audi als Dienstwagen war der angegebene Verbrauch. Den gibt Audi (was sowohl realitätsfern als auch lächerlich ist) mit 3,2 Litern (kombiniert, 3,0 Liter Autobahn, 3,8 Liter Stadtverkehr) an - aber wenn man sich mal die Beschreibung der zugrundegelegten Messmethode durchliest, dann sind solcherlei Angaben nicht überraschend - sie haben nur nicht viel mit der Realität zu tun, eine Abweichung von bis zu 20% (nach oben, versteht sich) wird als "normal" angesehen. Da fragt man sich doch, warum solche Angaben überhaupt gemacht werden.

Wie dem auch sei, die heutigen 3,8l/100km auf der Strecke von Stuttgart nach München finde ich durchaus respektabel, das ist immerhin ein halber Liter weniger als der Golf gebraucht hat. Bin mal gespannt, ob ich irgendwann noch weniger hinbekomme, viel dürfte allerdings nicht mehr zu machen sein. Es sei denn, ich habe Lust drauf, die ganze Strecke im Windschatten eines LKWs zurückzulegen, was mir allerdings wenig erstrebenswert erscheint...

Spaß mit McDonalds

McD07 Irgendwann im vergangenen Jahr hat man bei McDonalds beschlossen, sich augenscheinlich ein Bisschen transparenter zu geben und dafür die Seite "Frag McDonalds" eingerichtet. Der geschätzte Kunde darf eine Frage zu den verkauften Produkten stellen und erhält vom Unternehmen eine (ehrliche(?)) Antwort. Soweit die Theorie. Fragt man google nach der entsprechenden Seite, findet man natürlich sofort diverse Blogeinträge, die sich über dieses Konzept massiv beschweren, die dem Konzern Zensur vorwerfen, da Fragen zu Betriebsräten und Arbeitsbedingungen nicht beantwortet würden. Oder monieren, dass nur bestimmte Fragen zugelassen sind. Oder bemängeln, dass die Antworten in aller Regel aalglatt und allgemeingültig ausfallen.

Nun frage ich mich ja, was solcherlei Kommentatoren eigentlich erwarten, schließlich reden wir hier über nichts anderes als eine Marketingmaßnahme. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man von Kik eine ehrliche Antwort nach Fragen zu den Produktionsbedingungen der eigenen Produkte im Bezug auf Kinderarbeit bekäme, oder von Mercedes Benz in Erfahrung bringen könnte, wieviele giftige Chemikalien in welcher Menge bei der Produktion eines Autos eingesetzt werden.

Aber ich hatte eigentlich gar nicht vor, mich über die zu erwartende Ehrlichkeit und Transparenz im Rahmen von Marketingmaßnahmen auszulassen. Vielmehr wollte ich nur ein paar Beispiele dafür aufzeigen, dass man bei McDonalds scheinbar eine gute Portion Humor zu haben scheint, wenn man sich die Antworten auf einige der (eher wenig ernstgemeinten) Fragen anschaut und dem Team hinter dem Portal eine gewisse Narrenfreiheit einräumt. Denn ich habe mich durchaus köstlich amüsiert - so sieht für mich cleveres Marketing aus:

Was mir beim ziellosen durchsehen diverser Fragen und Antworten noch aufgefallen ist: wie sehr die vermaledeite "Rechtschreibkorrektur" der Smartphones inzwischen unseren Alltag durchdringt. Diese korrigiert das Wort "Burger" augenscheinlich bevorzugt in "Bürger", was manchen Fragen einen sehr spaßigen neuen Inhalt zu geben scheint...

Der ColorRun

Der Start Vergangenen Sonntag wurde in München der zweite ColorRun veranstaltet. Auf dieses "Event" aufmerksam geworden bin ich im vergangenen Jahr, als mir in der Innenstadt haufenweise Menschen über den Weg gelaufen sind, deren Kleidung und Haut (wo zugänglich) in allen erdenklichen Farben erstrahlten. Oh, ein "Holi Festival of Colors"? Aber warum trugen die dann alle Laufschuhe und häufig auch entsprechende Hosen? Die Lösung war einfach: weil es eben kein Holi-Festival war, sondern eine Laufveranstaltung. Ich mag mich jetzt nicht damit auseinandersetzen, wie sinnvoll, albern oder gar frevelhaft es ist, ein in indisches Fest mit sakralem Hintergrund nach Europa zu holen und dort eine Spaßveranstaltung daraus zu machen, sei es nun die ans Original angelehnte Veranstaltungsreihe oder eben das Aufgreifen und Abwandeln dieser Idee zu einer Sportveranstaltung. Nein, ich wollte einfach mitmachen, denn das Ergebnis sah nach gewaltigem Spaß aus. Dementsprechend habe ich mich zusammen mit einer Freundin bei der diesjährigen Ausgabe angemeldet.

Mut beweisen: ab ins Mundart-Theater

So geht's also im bayrischen Himmel zu Ich muss zugeben, es scheint ganz spaßig zu sein, dort.Vor einiger Zeit fragte mich eine Bekannte, ob ich Lust hätte, mit ins Volkstheater zu gehen. Der Brandner Kaspar würde aufgeführt und es gäbe erstaunlicher Weise noch Karten.

Der Brandner Kaspar gehört, ähnlich wie der  Münchner im Himmel, mehr oder minder zum bayrischen Kulturgut. Die Handlung ist schnell zusammengefasst (die Langfassung bei Interesse einfach im verlinkten Wikipedia-Artikel nachlesen): ein Bayer betrügt den (zuvor ordentlich mit Kirschgeist abgefüllten) Tod beim Kartenspielen und verlängert die ihm (eigentlich nicht) zustehende Zeit auf Erden dadurch bis zu seinem neunzigsten Geburtstag. Dies wird im Himmel natürlich irgendwann bemerkt und dem Tod aufgetragen, den entgegen dem Weltenplan noch Lebenden schleunigst gen Himmel zu befördern. Dieses Unterfangen gelingt schlussendlich dadurch, dass man dem Brandner Kasper einen Einblick ins Paradis ermöglicht und ihm vor Augen führt, dass es dort ganz wunderbar ist.

Ich habe kurz gezweifelt, ob mir ein im hiesigen Dialekt vorgetragenes Theaterstück wohl zusagen und ich auch nur einen Ton verstehen würde - mitgegangen bin ich dennoch. So könnte ich wenigstens behaupten, mir soetwas mal heldenhaft angetan zu haben. Meine diesbezüglichen Bedenken stellten jedoch schnell als unbegründet heraus. Ja, der eine oder andere Satz ging inhaltlich dann doch an mir vorbei, im Großen und Ganzen konnte ich aber folgen. Entweder, weil die Sache mit dem Bayrischen vielleicht doch nicht so kompliziert ist, oder aber, weil ich mich nach meinen knapp zwei Jahren hier nun doch schon weitgehend an den Dialekt gewöhnt habe, auch wenn ich ihn sicher nie sprechen können werde (ich kann schließlich auch kein Schwäbisch und empfinde das jetzt nicht zwingend als Nachteil).