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Schlechtwetterprofiteure

Wellenreiten im Eisbach Ganz klar, die Herren sind die Profiteure des vielen Regens der vergangenen TageDie alteingesessenen Stuttgarter sprechen ja davon, dass Stuttgart nicht am Neckar, sondern am Nesenbach läge. Ein Bach, der jedoch kaum in Erscheinung tritt, da man ihn - von etwa einem Kilometer zwischen Kaltental und Heslach abgesehen- kanalisiert und unter die Erde verlegt hat.

München hat etwas ähnliches zu bieten - den Eisbach. Er wird aus der Isar gespeist und verläuft auch weitgehend unterirdisch durch die Altstadt, tritt am südlichen Ende des Englischen Gartens wieder zutage, ehe er ein gutes Stück später wieder in die Isar geleitet wird. Allerdings ist der offenliegende Teil des Eisbachs wesentlich attraktiver als der Nesenbach. Zum Einen dient er (auch wenn das offiziell nicht erlaubt ist aber von der sonst so strengen Obrigkeit geduldet wird) im Englischen Garten als vielgenutzte Bademöglichkeit. Nackedeis inclusive. Zumindest im Sommer. Zum Anderen, und das ist weit spektakulärer, ist er weit über München hinaus als wunderbare Möglichkeit zum Wellenreiten bekannt. Grund dafür ist eine Steinstufe kurz nach dem Auslass aus dem Untergrund. Diese führt dazu, dass eine dauerhafte Stromschnelle entsteht, die als "stehende Welle" bezeichnet wird. Hier tummeln sich bei guten Wetter haufenweise Wellenreiter, die immer schön einer nach dem anderen versuchen, sich möglichst lang auf dem Brett zu halten.

Wasser. Viel Wasser

Normalzustand Sandbänke, Kiesbette - gemeinhin führt die Isar in München nicht übermäßig viel WasserMittwoch Abend. Ich sitze mit dem Notebook auf den Oberschenkeln vor dem Fernseher und sehe Bilder aus den Hochwassergebieten, den Städten im Osten und Bayern. Ersterer erscheint relativ weit weg zu sein, aber Passau oder Deggendorf sind -empfunden- ja beinahe um die Ecke. Deggendorf steht seit heute mehr oder weniger komplett unter Wasser. Etwas südlich davon mündet die Isar in die Donau. Und seit dem Wochenende kann ich mir wenigstens grob vorstellen, um welche Wassermassen es sich handeln muss, die derzeit dort Chaos verbreiten.

Ich bin vom Hochwasser nicht betroffen, komme mir aber ein Bisschen komisch vor, während ich mir all das ansehe - in "meinem" Bundesland kämpfen Menschen um ihre Häuser oder müssen damit fertig werden, so ziemlich alles ans Wasser verloren zu haben. Und ich beschwere mich über schlechtes Wetter, nur weil ich nach zwei Stunden Regenspaziergang nasse Füße habe.