Wie ich (unfreiwillig) zu einem Facebook-Account kam

Kurz nach meinem Geburtstag ging es los. Ich bekam Mails von Facebook. Das war ein Bisschen verwirrend, denn ich habe ja noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich nicht unbedingt in die Kategorie der Facebook-Befürworter falle. Um es mal vorsichtig zu formulieren. Dementsprechend erwarte ich von denen eher keine Mails, denn einen Account habe ich bei dem Verein ja keinen. Interessanter Weise konnte ich die Mails nicht lesen, denn sie waren in einer eher unverständlichen Sprache geschrieben, deren häufigster Buchstabe ziemlich offensichtlich das „u“ ist.

„Vermutlich irgendwelche Mails, die jemanden auf gefakte Facebook-Seiten locken wollen um böse Trojaner zu verteilen“, denke ich mir und lösche die Mails.

Ein paar Tage lang herrscht Ruhe, dann trudeln die nächsten unverständlichen Mails ein. Offensichtlich wirklich von Facebook. Sollte da irgend jemand meine Google-Mailadresse missbraucht haben, als er/sie sich einen Facebook Account zugelegt hat?

Tief in meinem Hinterkopf wird irgend etwas misstrauisch. Und ein Bisschen sauer. Ich kann definitiv ausschließen, mich um Suff als „Derphina“ bei Facebook registriert zu haben – so werde ich zumindest in den Mails angesprochen. Ich versuche mit die Mail von Google übersetzen zu lassen – es kommt aber nicht viel Verwertbares heraus, denn man müsste die Sprache wissen, die die Quelle hat. Türkisch ist das schonmal nicht, soviel ist sicher.

Ich klicke auf einen Link in der Mail (den ich vorher natürlich genauer untersucht habe um auszuschließen, dass der wirklich zu einer „bösen“ Seite führt), der mich vermuten lässt, dort die Mails abzubestellen können. Dem scheint auch so zu sein, zumindest verkündet mir Facebook auf Englisch, dass ich nun nicht mehr benachrichtig würde.

Für ein paar Tage stimmte das sogar, dann kamen die nächsten Mails. Offensichtlich Vorschläge für neue „Freunde“. Asiatisch aussehende Mädels. Aha. Ich hätte jetzt ja kurzen Prozess machen können und bei google einfach eine Regel hinterlegen können, die alle Mails mit Absender Facebook sofort löscht. Aber irgendwie scheine ich einen garstigen Tag gehabt zu haben, denn ich beschloss, mir das Ganze jetzt doch mal näher anzusehen. Ich mag es nicht, wenn jemand meine Mailadressen verwendet, um sich irgendwo zu registrieren.

Wenn doch die Benachrichtigungsmails bei mir ankommen und ich den Benutzernamen kenne, dann könnte ich doch mal eben diesen Account kapern und mir ein neues Passwort schicken lassen. Gesagt, getan. Benutzername eingetragen, „Passwort vergessen“ gewählt und schwupps habe ich ein paar Sekunden später eine Mail, die es mir erlaubt, das Passwort für den Account zu ändern. Hihi. Dann wollen wir mal. Der Plan: irgendwie diesen Account deaktivieren.

Ich melde mich mit dem neuen Passwort bei Facebook an. Und binnen Sekunden lüftet sich das Geheimnis dieser merkwürdigen Sprache, denn google’s Chrome verkündet mir, diese Webseite sei in Indonesisch geschrieben – ob ich sie wohl nach Deutsch übersetzen lassen wolle. Guter Vorschlag, denn mein Indonesisch ist ein Bisschen eingerostet. Damit komme ich nicht weit, auf der Suche nach einer Account-Stilllegen-Funktion. Die in Chrome eingebaute Übersetzungsfunktion scheint mir nicht gerade brillant zu sein, aber sie reichte aus, um herauszufinden, dass ich den Account auf Deutsch umstellen konnte. Der Rest war ein Kinderspiel. In recht kurzer Zeit finde ich die Funktion den Account zu deaktivieren und klicke mit einem diabolischen Grisen drauf. Mehrfach vmerultich. Damit sie es auch wirklich kapieren.

Merkwürdiges Detail am Rande: die hinterlegte Mailadresse lautet derphina@gmail.com – das ist definitiv nicht meine Adresse. Nah dran, aber eben wirklich nur nah. Aber warum bekomme ich dann die Mails, die eigenltich an diese Adresse gehen sollen? Ich zucke die Schultern – mir doch egal, ob hier Facebook oder Google einen Fehler machen – ich bin genervt und will keine Mails von Facebook mehr. Das ist alles, was jetzt zählt.

„Ha! Ab jetzt ist Ruhe!“ denke ich mir.  Leider fälschlich. Denn nach zehn Minuten kommt die nächste Mail. Für den Account sei ein neues Passwort angefordert worden. Aha. Hat da jemand bemerkt, dass er/sie nicht mehr in den Facebook Account reinkommt? Tja, ätsch, Kleine, leg dich nicht mit dem Phi an!
Offensichtlich war „Account deaktivieren“ nicht sehr erfolgreich, denn wenn diese Person sich jetzt ein neues Passwort setzt, dann wäre der Account ja wieder aktiv. Und mein Mailpostfach bekäme wieder haufenweise Facebook-Spam. Also beschließe ich, stärkere Geschütze aufzufahren. Mailadresse und Benutzername ändern. Das müsste endgültig helfen.

Also melde ich mich wieder an dem deaktivierten Account an (der darauf flugs wieder aktiviert wird – merke: Facebook lässt einen nie los, irgendwas zu löschen ist nicht vorgesehen) und finde die Funktion, den Benutzernamen zu ändern. Und die Mailadresse. Ich trage meine richtige Google-Maiadresse ein (das musste leider sein) und wechsle den Benutzernamen. Nicht, ohne vorher noch sämtliche Privatspäreeinstellungen auf „hier gibt es nix zu sehen“ und die Benachrichtiungseinstellungen auf „Klappe halten“ zu ändern. Dann lege den Account wieder still.
Damit dürfte Herr oder Frau Indonesien jetzt wirklich ein Problem haben: denn wenn weder der Benutzername noch die Mailadresse stimmen, kann man auch kein neues Kennwort anfordern. Ätsch.

Seitdem habe ich wirklich Ruhe. Allerdings auch einen deaktivierten Facebook-Account am Hals. Wenn den jemand haben möchte (samt etwa zehn indonesischer Freundinnen im Spät-Teenager-Alter) – ich gebe „achlecktmichdoch“ (auf diesen Namen hört er neuerdings) gerne ab. Einfach kurz melden, ich habe keine Verwendung dafür ;-)

  1 comment for “Wie ich (unfreiwillig) zu einem Facebook-Account kam

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