München

So macht Schwimmen Spaß

Dieser Tage fragte mich meine Bekannte Nina: „Wollen wir heute Abend noch ne Runde Schwimmen gehen?“. Nun muss ich gestehen, dass ich seit Jahren kein Freibad mehr von innen gesehen habe, denn erstens sind mir diese meistens entschieden zu voll und zweitens habe ich es dank meines Bechterews nicht mehr so mit dem Schwimmen – außer Rückenschwimmen ist nicht mehr viel zu machen (ich könnte dagegen sicher gut Schnorcheln, in Bauchlage bekomme ich den Kopf nicht mehr wirklich aus dem Wasser gestreckt) und das macht nur bedingt Spaß, wenn man dauernd Gefahr läuft, eine andere Person über den Haufen zu schwimmen.

In Anbetracht der derzeitigen Temperaturen schien es mir aber angebracht, mal eine Ausnahme zu machen, zu verlockend die Aussicht, den ganzen Körper um ein paar Grad abzukühlen. Wobei „heute Abend“ eine spannende Sache war, denn eigentlich machen die Freibäder in München allesamt um 20:00 zu – so etwa der Zeitpunkt, zu dem ich die Temperaturen als „jetzt sind sie fast annehmbar“ einstufe. Aber da kannte ich das Dantebad noch nicht, welches in mehrfacher Hinsicht ein Bisschen speziell ist.

Tollwood

Nein, ich habe mir neuerdings keine gepflegte Legasthenie zugelegt, die Überschrift ist korrekt. Zweimal im Jahr findet in München das Tollwood-Festival statt. Im Sommer gastiert es im Olympiapark (dieses Jahr zum fünfundzwanzigsten mal), im Winter auf der Theresienwiese. Letztlich ist es eine wilde Mischung aus Musikveranstaltungen, Themenbereichen (meist der Kategorie „Weltverbesserung“ angehörend) und scheinbar endlos großem Gastronomieangebot – alles biologisch total wertvoll und zertifiziert. Für das gute Gewissen. Feilgeboten wird alles, was des Weltbürgers Herz erfreut: Kleidungsstücke im Batik-Look (ich dachte ja, dass sowas im vergangenen Jahrtausend ausgestorben sei – ich zumindest sah in meinen Spätjugendjahren in solcherlei Klamotten eher albern aus und finde ja, dass sich das auf alle übertragen lässt, die so etwas tragen), Kunsthandwerk jeglicher Couleur (Schnitzereien, Schmuck natürlich, Uhren aus plattgedrückten Flaschen, Postkarten und gemaltes Allerlei, Holzspielzeug und, und, und). Das Meiste fällt wohl in die Kategorie „strenggenommen total nutzlos“, aber genau das macht eigentlich den Reiz aus.

Die Arena

Langsam kann ich die Tage rückwärts zählen, bis ich meinen ersten Jahrestag in München feiern kann. Und auch wenn ich mir Mühe gegeben habe, möglichst viel in und um München zu entdecken – zur Allianz Arena habe ich es bis heute nicht geschafft (wenn man davon absieht, dass ich einigermaßen regelmäßig auf der Autobahn an ihr vorbei fahre). Aber hinter dieses Todo kann ich nun auch ein Häkchen machen. Kollege René, der nebenher für die Frauen-Abteilung des FC Bayerns arbeitet, hat uns Karten für das Frauen Länderspiel Deutschland gegen Japan am vergangenen Samstag besorgt. Für lau (die regulären Eintrittspreise betrugen zwischen sieben und elf Euro, wären also auch durchaus bezahlbar gewesen), da kann der Schwabe in meinem Herzen natürlich nicht „nein“ sagen, auch wenn ich Frauenfußball jetzt nicht unbedingt zu meinen Lieblingssportarten zähle.

Badesaison!

Ich bin ein Bisschen im Verzug, was das Schreiben meiner Blog-Artikel angeht, weshalb mein Ausruf der Badesaison für Irritationen sorgen könnte. Denn schließlich wurde der empfundene Sommer der vorletzten Woche ja schon wieder durch den Herbst oder wenigstens das gewohnt zweifelhafte Wetter ersetzt, bei dem kein Mensch klaren Verstandes auf die Idee kommt, die Badehose einzupacken und zum nächsten Badesee zu fahren.
Aber wie gehabt: Vor zwei Wochen sah das ganz anders aus und der Radtour am Samstag folgte ein Ausflug zum Heimstettener See (laut Wikipedia eine bis Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts genutzte Kiesgrube). Ebenfalls per Rad, natürlich, wobei die Fahrstrecke gemessen an der vom Tag davor geradezu lächerlich erscheint. Von Neuperlach über Trudering und Riem führte der Weg rund 10 Kilometer nordöstlich Richtung Heimstetten. Die einzige Herausforderung der Strecke bestand darin, im künstlich angelegten Park in Riem (wo man es auch durchaus aushalten kann, auch wenn  es dank der recht jungen Bäume noch relativ wenig Schatten gibt) den ganzen Fußgängern auszuweichen, die offensichtlich beschlossen hatten, den Radfahrern einen gewissen Nervenkitzel zu bieten. Denn wozu am Wegesrand laufen, wenn man auch zu mehreren nebeneinander mittig die Wege entlangschlendern oder dem herannahenden Radler durch einen spontanen Richtungswechsel einen unerwarteten Überraschungseffekt bescheren kann? Ich verbuche das einfach mal als Fahrsicherheitstraining am lebenden Objekt.

Landpartie

Ich habe eine Bekannte in München, die es sich in den Kopf gesetzt hat, mir zu beweisen, dass man hier hervorragend und endlos radeln kann, sobald man die Stadtgrenze hinter sich gelassen hat. Denn auch wenn München über ein richtig gutes Netz aus Radwegen verfügt, kann von radfahren kaum die Rede sein, da man permanent von Ampeln, in den weg hüpfenden Fußgängern oder unachtsamen Autofahrern ausgebremst wird. Das ist völlig in Ordnung, wenn man einfach zum nächsten Laden oder ins Büro radeln will, aber wenn man vor hat, mal ernsthaft eine Strecke zurückzulegen, dann macht das einfach keinen Spaß.

Also haben wir uns am Samstag zu einer Radtour ins Umland verabreden – und was soll ich sagen: sie hat Recht. Die stille Natur liegt quasi vor der Haustür, man muss nur die geschicktesten Wege dahin kennen. Die allerdings sind gar nicht so einfach zu finden, wenn man keinen jahrelangen Heimvorteil aufzuweisen hat – alleine hätte ich mich sicher mehrfach verfahren. Getroffen habe wir uns in Schwanthalerhöhe, radelten dann über Sendling und Thalkirchen, am Zoo vorbei nach Untergiesing und von dort in den Perlacher Forst. Gut, „Forst“ würde ich das nicht unbedingt nennen, denn der scheint mir eher ein von diversen Asphaltwegen durchzogener relativ junger Wald zu sein, aber ich will nicht streiten. Und ab diesem Moment konnte man wirklich radfahren.

Schlechtwetterprofiteure

Die alteingesessenen Stuttgarter sprechen ja davon, dass Stuttgart nicht am Neckar, sondern am Nesenbach läge. Ein Bach, der jedoch kaum in Erscheinung tritt, da man ihn – von etwa einem Kilometer zwischen Kaltental und Heslach abgesehen- kanalisiert und unter die Erde verlegt hat.

München hat etwas ähnliches zu bieten – den Eisbach. Er wird aus der Isar gespeist und verläuft auch weitgehend unterirdisch durch die Altstadt, tritt am südlichen Ende des Englischen Gartens wieder zutage, ehe er ein gutes Stück später wieder in die Isar geleitet wird. Allerdings ist der offenliegende Teil des Eisbachs wesentlich attraktiver als der Nesenbach. Zum Einen dient er (auch wenn das offiziell nicht erlaubt ist aber von der sonst so strengen Obrigkeit geduldet wird) im Englischen Garten als vielgenutzte Bademöglichkeit. Nackedeis inclusive. Zumindest im Sommer. Zum Anderen, und das ist weit spektakulärer, ist er weit über München hinaus als wunderbare Möglichkeit zum Wellenreiten bekannt. Grund dafür ist eine Steinstufe kurz nach dem Auslass aus dem Untergrund. Diese führt dazu, dass eine dauerhafte Stromschnelle entsteht, die als „stehende Welle“ bezeichnet wird. Hier tummeln sich bei guten Wetter haufenweise Wellenreiter, die immer schön einer nach dem anderen versuchen, sich möglichst lang auf dem Brett zu halten.

Wasser. Viel Wasser

Mittwoch Abend. Ich sitze mit dem Notebook auf den Oberschenkeln vor dem Fernseher und sehe Bilder aus den Hochwassergebieten, den Städten im Osten und Bayern. Ersterer erscheint relativ weit weg zu sein, aber Passau oder Deggendorf sind -empfunden- ja beinahe um die Ecke. Deggendorf steht seit heute mehr oder weniger komplett unter Wasser. Etwas südlich davon mündet die Isar in die Donau. Und seit dem Wochenende kann ich mir wenigstens grob vorstellen, um welche Wassermassen es sich handeln muss, die derzeit dort Chaos verbreiten.

Ich bin vom Hochwasser nicht betroffen, komme mir aber ein Bisschen komisch vor, während ich mir all das ansehe – in „meinem“ Bundesland kämpfen Menschen um ihre Häuser oder müssen damit fertig werden, so ziemlich alles ans Wasser verloren zu haben. Und ich beschwere mich über schlechtes Wetter, nur weil ich nach zwei Stunden Regenspaziergang nasse Füße habe.

Feierbiester

Vergangenen Samstag haben sich „die Bayern“ ja bekannter Maßen den dritten Titel in der laufenden Fußballsaison geholt. Das Pokalendspiel – in Stuttgart mit Freunden in einer urschwäbischen Kneipe genossen – versetzte mich in eine gewisse Luxussituation. Meine alte Heimat gegen die neue – da konnte ich nur gewinnen. Egal wer das Spiel gewinnen würde, ich könnte mich drüber freuen. Wobei ich keinen Hehl daraus mache, dass ich den Bayern einen Sieg mehr gönne als dem VfB – denn erstens haben Erstere nunmal die erheblich überzeugende Saison hinter sich als die Schwabenkicker und zweitens spekulierte ich einfach auf eine bessere Feier. Wenn ich doch schon in München lebe, dann würde ich schon gern erleben, wie man dort den Gewinn des historischen Triples feiern würde. Und schlussendlich hätte ein Pokalsieg der Stuttgarter sowieso nur dazu herhalten müssen, eine (zu Recht) weitgehend in der Bedeutungslosigkeit verbrachte Saison und die Missverhältnisse im Verein schönzureden. Nee, lasst mal Jungs.

Verwandtschaftsbesuch

Gestern hatte ich zum ersten mal in München Besuch von einem Familienmitglied. Sabine und Marcel gönnen sich drei Tage in Erding und haben auf dem Weg dahin bei mir vorbeigesehen. Meine erste Erkenntnis: meine Fahrzeitangaben gelten nicht für Menschen unter 35. Vermutlich. Sie hatten sich überlegt, um acht loszufahren und wären dann gegen zehn bei mir. Ich maßte mich an anzumerken, dass ich dank der Baustellen, die inzwischen fast 50km der Strecke ausmachen, von Degerloch nach Laim etwa zweieinviertel Stunden brauche. Um zehn vor zehn waren sie da. Von irgendwo hinter Waiblingen. Aber nicht mit diesem Spritverbrauch – haha! Und es war Feiertag und früh und überhaupt, da kann das bestimmt jeder ;-)